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Geldanlage im Islam: Islamische Fonds erklärt

Anlageentscheidungen werden neben der Frage nach der Rendite oft durch eine Vielzahl anderer Faktoren beeinflusst. Dazu zählt auch die religiöse Ausrichtung des Investors. Viele muslimische Geldanleger fragen sich, wie sie ihr Geld unter Berücksichtigung religiös-rechtlicher Normen vermehren können. Das sogenannte Islamic Finance setzt dort an. Wie genau funktioniert es? Und gibt es auch ETFs und Indexfonds für Muslime? Worauf wird hier geachtet?

Während nicht-religiöse Anleger sich vor allem damit auseinandersetzen müssen, wie sie mit ihrem Geld am besten ihre gesetzten finanziellen Ziele erreichen können, kommen für religiöse – insbesondere muslimische – Investoren noch andere Maßstäbe ins Spiel.  Auf sie zielt die Welt des Islamic Finance oder auch scharia konformen Investierens ab.

Was ist Islamic Finance?

Die Scharia als verbindliche Rechtslehre des Islam bezieht sich in allen Konfessionen und Auslegungen auf den Koran und die Hadithe – die Überlieferungen der Aussprüche des Propheten Mohammed – als Quelle. In der Scharia und ihrem Rechtsdiskurs gibt es klare Regelungen, die das Banken- bzw. Finanzwesen betreffen. Darunter fallen beispielsweise das Zinsverbot (arab. Ribā), das Verbot des Glücksspiin der Regel an Vermögenswerten, Projekten oder daraus entstehenden Erträgen ausgerichtet sind.els, das Spekulationsverbot (arab. Gharar) sowie Verbote von Wetten und Glücksspiel.

Ein wichtiger Aspekt des scharia konformen  Investierens ist die Beteiligung an Gewinn und Verlust. Erträge sollen demnach nicht allein durch fest vereinbarte Zinsen entstehen, sondern möglichst an reale wirtschaftliche Aktivität geknüpft sein. Neben direkten Beteiligungsmodellen gibt es deshalb auch weitere scharia konforme  Finanzprodukte wie Sukuk. Sie werden oft als islamkonforme Alternative zu klassischen Anleihen bezeichnet, weil sie nicht auf Zinszahlungen beruhen, sondern auf der Beteiligung an Vermögenswerten oder deren Erträgen.

Die Kategorien „halal“ oder „haram“ bezeichnen die Einteilung in „erlaubt“ und „verboten“ nach islamischem Recht. Oft wird diese Feststellung in Form von islamischen Rechtsgutachten (Fatwas) erbracht.

Es geht bei Islamic Finance bzw. Islamic Banking also um das gesamte Bankwesen in der islamischen Welt (und darüber hinaus), wenn es sich nach den Regeln der Scharia richtet. Wir sprechen hier von der ganzen Bandbreite des Finanzwesens, vom Versicherungsvertrag über das Girokonto bis zum Aktienhandel.

Alles über zinsfreies Islamic Banking erklärt Thomas dir in diesem Video:

Besonderheiten des Islamic Banking

Hervorzuheben sind die Regeln des Zinsverbots und des Spekulationsverbots, da diese einen großen Einfluss auf die Art und den Verlauf von Finanzgeschäften haben, besonders, wenn es um das Thema Investment geht.

Die Auslegung des Zinsverbots ist von vielen Kontroversen umgeben: etwa bei der Definition von Zinsen, der Frage wer (z.B. Institutionen oder Einzelpersonen) davon betroffen ist oder, ob lediglich der Wucherzins gemeint ist. Unstrittig ist aber, dass das Zinsverbot eine zentrale Rolle im Islamic-Banking-Bereich spielt und es demzufolge meist strikt ausgel­egt wird.

Damit Islamic-Finance-Banken dennoch Bankgeschäften nachgehen können, die westlichen Produkten ähneln, existieren verschiedene Instrumente wie Murabaha. Dies garantiert eine Finanzierung mit Preisaufschlag, ist also analog zum klassischen Kredit, fällt aber nicht unter das Zinsverbot.

Das Spekulationsverbot Gharar hingegen betrifft in der Welt des Investierens vor allem kurzfristige Investments wie beim Daytrading oder dem Derivatehandel. Das Geldanlegen in Aktien fällt aber nach der gängigen islamischen Religions- und Rechtsauffassung nicht darunter. Deshalb ist es auch möglich, in bestimmte ETFs und Indexfonds scharia konform zu investieren.

Alle herkömmlichen Versicherungen fallen hingegen unter das Spekulationsverbot, weil sie als Wette auf den Eintritt des Versicherungsfalles verstanden werden können.

Regeln des Investierens im Islam

Bei der Geldanlage in Aktien oder Indexfonds greifen zusätzlich zu den bereits vorgestellten Verboten im scharia konformen Investieren auch bestimmte Regeln, die bestimmen, worin investiert werden darf. Dies bezieht sich wiederum auf die Einteilung in verboten, haram, und erlaubt, halal.

Aufgrund des Regelwerks der Scharia sind Geschäfte, die eines der folgenden Geschäftsfelder/Produkte involvieren, verboten:

  • Alkohol

  • Pornographie

  • Prostitution

  • Rüstungsgüter

  • Schweinefleisch

  • Tabak

Aufgrund dieser Kriterien gibt es durchaus Überschneidungen mit dem ethischen oder nachhaltigen Investieren. Bei diesem versuchen Anleger, ethische Maßstäbe bei ihren Anlageprodukten anzusetzen und so beim Investieren einen positiven Wandel mitzugestalten. Verschiedene ETFs, Fonds und Banken bieten deswegen nachhaltige Geldanlagen an, die zum Beispiel auf Rüstungsgüter verzichten. Die Fachbegriffe dafür heißen Socially Responsible Investment (SRI) und Environment, Social and Governance (ESG). Wichtig ist aber: SRI- und ESG-Kriterien sind nicht automatisch mit schariakonformen Kriterien gleichzusetzen.

Um den Verzicht auf verbotene Geschäfte nach den Maßstäben des islamischen Glaubens zu garantieren, bieten verschiedene Organisationen Halal-Zertifizierungssysteme an. Ein Beispiel ist hierbei die Accounting and Auditing Organization for Islamic Financial Institutions (AAOIFI).

Islamische Fonds und ETFs

Es ist also absolut möglich, mit Aktien und Indexfonds scharia konform zu investieren. Allerdings ist durch die religiös-rechtlichen Einschränkungen bedingt, dass nicht ohne Weiteres in einen ETF wie den MSCI World oder den MSCI Emerging Markets investiert werden kann. Bei diesen Anlageprodukten sind viele Firmen gelistet, die nicht den Ansprüchen scharia konformen Investierens genügen.

Damit dieses Bedürfnis abgedeckt werden kann, haben viele bekannte Indexanbieter Tochterindizes der bekannten Indizes entwickelt. Diese tragen „Islamic“ oder „Sharia“ im Namen und zeigen dadurch an, dass sie den Richtlinien scharia konformen Investierens entsprechen.

Name Fondsvolumen TER 1J in %
ISIN IE00B27YCN58
1,15 Mrd. €
0,30 %
+31,16 %
ISIN IE00B27YCP72
687,52 Mio. €
0,35 %
+91,04 %
ISIN IE00B296QM64
389,35 Mio. €
0,30 %
+37,80 %

Quelle: finanzfluss.de/informer/etf/suche/

Ein Beispiel ist hier der MSCI World Islamic. Der Index basiert auf dem MSCI World und filtert alle Unternehmen, bei denen nicht-schariakonforme Geschäftsfelder mehr als 5% ausmachen, heraus. Deswegen reduziert sich die Anzahl der gelisteten Unternehmen von rund 1.300 auf ca. 400 stark. Das hat große Auswirkungen auf die Diversifizierung der Geldanlage, die ein großer Vorteil des Investierens in ETFs ist, insbesondere beim MSCI World mit seinem Fokus auf Unternehmen in Industrienationen.

Der MSCI EM Islamic mit über 400 Positionen kann ebenso für muslimische Geldanleger interessant sein. Dieser bezieht sich auf Unternehmen in Schwellenländern unter der Maßgabe scharia konformen  Investierens.

Neben ETFs gibt es auch eine Menge aktiv gemanagter Fonds, die in die Reihe islamkonformer Finanzprodukte gezählt werden können. Bei diesen sorgen Fondsmanager für die Asset Allocation und die Auswahl der Produkte. Oft werden solche Fonds mithilfe spezieller Firmen auf die Islamkompatibilität ihrer Investments überprüft.

Oft nachhaltiger, aber weniger diversifiziert

Auch für nicht-muslimische Anleger ist die Auseinandersetzung mit Islamic Finance und schariakonformen Investments aufschlussreich, weil sich hier die finanzbezogenen Grundsätze der islamischen Welt aufzeigen, wie z.B. das Spekulationsverbot. Abgesehen davon überschneiden sich gewisse Ausschlusskriterien, die bei schariakonformen Geldanlagen eine Rolle spielen, mit denen von ethischen oder nachhaltigen Investment-Kriterien.

Aufgrund des weltweiten Marktes für islamische Finanzprodukte gibt es auch einige ETFs und aktiv gemanagte Fonds, die meist ein „Islamic“ oder „Sharia“ im Namen tragen. Insbesondere bei ETFs ergibt sich aber der Nachteil, dass die strikten Kriterien zulasten einer breiten Diversifizierung und daher Risikominimierung gehen. Außerdem weichen schariakonforme Indizes oft auch in ihrer Sektorverteilung deutlich von klassischen Weltindizes ab, zum Beispiel durch ein geringeres Gewicht von Finanzwerten.

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